Warum ich in den Wald will
Wer Wildtiere fotografieren möchte, kommt am Wald nicht vorbei. Rehe, Füchse, Spechte oder ein Dachs in der Dämmerung – die schönsten Begegnungen hier im Ahrtal finden fast immer zwischen den Bäumen statt.
Gute Bilder entstehen dabei nicht im Vorbeigehen. Sie brauchen Zeit, Geduld und vor allem ruhige Stellen, an denen ich mich unauffällig hinsetzen kann. Genau deshalb frage ich immer wieder bei Jägern und Waldbesitzern nach, ob ich gelegentlich in ihrem Revier fotografieren darf.
Meine Erfahrungen: viele Absagen, wenige Türen
Um ehrlich zu sein: Die meisten meiner Anfragen werden abgelehnt. Manchmal kommt gar keine Antwort, manchmal eine freundliche Absage.
Vor Kurzem habe ich zum Beispiel einen größeren Waldbesitzer aus der Region angeschrieben. Die Antwort kam schnell und war sehr höflich: Die Reviere sind verpachtet, im Wald ist ohnehin schon zu viel los – Jäger, Radfahrer, Jogger, Pilzsammler. Ich solle es in einem Jahr noch einmal versuchen. Das hat mich natürlich enttäuscht, aber ich kann die Gründe gut nachvollziehen.
Es gibt aber auch die andere Seite: Ein, zwei Jäger aus der Gegend unterstützen mich. Von ihnen bekomme ich Tipps, wo sich Wild gerade aufhält und wann ich besser fernbleibe. Diese Kontakte sind für mich Gold wert – und sie zeigen, dass ein Miteinander möglich ist.
Warum so oft abgelehnt wird
Ich habe gelernt, dass hinter einer Absage selten etwas Persönliches steckt. Aus Sicht der Jäger und Waldbesitzer gibt es nachvollziehbare Gründe:
Unruhe im Revier: Jeder weitere Mensch im Wald ist ein Störfaktor für das Wild – und erschwert die Jagd.
Sicherheit: Wer in der Dämmerung getarnt im Unterholz sitzt, ist für Jäger kaum zu erkennen.
Verpachtete Reviere: Oft entscheidet nicht der Eigentümer allein, sondern der Jagdpächter.
Schlechte Erfahrungen: Einzelne, die rücksichtslos unterwegs waren, prägen das Bild von allen Fotografen.
Was eigentlich erlaubt ist
Grundsätzlich darf in Rheinland-Pfalz jeder den Wald zur Erholung betreten – auch Privatwald, auf eigene Gefahr. So steht es in § 22 des Landeswaldgesetzes. Zu Fuß bin ich dabei nicht an Wege gebunden, eine feste Uhrzeit nennt das Gesetz nicht.
Aber: Die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung dürfen nicht gestört werden. Tabu sind außerdem Flächen mit laufendem Holzeinschlag, Jungpflanzungen und forstbetriebliche Einrichtungen. Hochsitze gehören den Jägern – da steige ich nicht hinauf. In Naturschutzgebieten gelten oft zusätzliche Regeln.
Was ich mit einer Erlaubnis suche, ist also mehr als ein Spaziergang: feste Ansitzplätze, ein Tarnzelt oder Stellen abseits, an denen ich länger bleiben kann. Und genau dafür ist das Einverständnis von Eigentümern und Jägern der faire Weg.
Was hinter einem Foto steckt
Viele stellen sich Wildtierfotografie wie einen Spaziergang mit Kamera vor. In Wahrheit leiste ich genauso viel Vorarbeit wie ein Jäger: Ich suche Wechsel und Spuren, beobachte über Wochen, wann sich welches Tier wo zeigt, und plane jeden Ansitz.
Dazu kommt etwas, das für Jäger kaum eine Rolle spielt: das Licht. Ein Tier im falschen Licht bringt mir nichts – dann bleibt die Kamera eben unten. Ich fotografiere auf Augenhöhe mit dem Tier, nicht von oben. Auf einen Hochsitz will ich deshalb gar nicht.
Und ich bin kein Selfie-Tourist, der mal eben ein Reh mit dem Handy knipsen will. In meinem Rucksack trage ich Ausrüstung im Wert von mehreren tausend Euro. Wer so viel investiert, geht mit Wald und Wild sorgfältig um.
Mein Fazit
Ich finde es schade, dass so viele Türen verschlossen bleiben. Gleichzeitig verstehe ich, dass der Wald kein Fotostudio ist und viele Menschen ihn gleichzeitig nutzen wollen.
Mein Wunsch: mehr Miteinander zwischen Fotografen, Jägern und Waldbesitzern. Wir wollen am Ende alle dasselbe – einen gesunden Wald mit gesundem Wild. Und gute Bilder können helfen, genau das zu zeigen.
Wenn du Jäger oder Waldbesitzer im Ahrtal bist und dir vorstellen kannst, einem rücksichtsvollen Fotografen eine Chance zu geben: Ich freue mich über eine Nachricht.
Alle Grafiken sind KI Generiert